2. Workshop deutscher Bildungsserver
Protokoll der Sitzung vom 15./16.05.97
Teilnehmer
Ralph Ballier, BICS
Hartmut Bluhm, IfLF
Ralf-Ingo Brehm, BIL
Uwe Debacher, HBS
Peter Diepold, HUB
Markus Eiden, MBWW
Horst Eysel, NLI
Jürgen Frank, LABI
Oliver Gerschewski, OHS
Andreas Grupp, LEU
Jan Hartmann, LISA MV
Thomas Hickfang, ODS
Martin Hüppe, Bildung-Online
Walter Jaisli, WIS
Christine Kamprad, FWU
Uta Krope, IPTS
Axel Leibrock, MBKW
Martin Maisel, ThILLM
Herr Mauhs, KMSA
Harald Melcher, Bildung-Online
Frerk Meyer, HUB
Hans Rassmes, ODS
Christian Richter, DBS
Monika Roesler-Lass, DFN
Wolfgang Schmid, ZSA
Manfred Schreiber, LMZ
Willi Schwarzbach, LISA
Horst Stein, DeTeBerkom
Michael Stuetz, LEU
Manfred Vollmost, MPZ
Wolfgang Weber, LSW
Hansjörg Weiher, LEU
Lothar Wiesweg, BICS
Verlauf
Donnerstag, 15. Mai
Plenum: Eingangsreferat
Peter Diepold gab zunächst einen Überblick über verschiedene Aspekte, die bei Planung und Fortentwicklung eines Bildungsservers zu berücksichtigen sind: Geltungsbereich, Adressatenkreis, Funktion und Inhalt, Hardware und Software. Er nannte folgende grundlegende Funktionen von Bildungsservern:
- Kommunikationsplattform - für die schul- und länderübergreifende Kooperation von Lehrern und Schülern
- Distributionsplattform - zur Bereitstellung vielfältiger Materialien im Internet für den Unterricht, die Unterrichtsvorbereitung und für die Schulverwaltung
- Verweissystem - für Dokumentation von Materialen, die im Netz bereitstehen, und für die rasche Auffindbarkeit von Dokumenten, Personen, Institutionen, Aktivitäten und Diensten.
Plenum: Kurzberichte aus den Bundesländern
Anschließend nahmen nacheinander die Vertreter der Länder und der Verlagsserver das Wort, um kurz den Stand der Entwicklung ihres Bildungsservers zu skizzieren. Dabei wurden folgende Fragestellungen und Probleme genannt, die gegebenenfalls innerhalb des Workshops, in der Mailingliste oder im Rahmen einer späteren Veranstaltung zu beraten waren:- Welche Server setzen sich welche inhaltlichen Schwerpunkte? (Uwe Debacher, Hamburg)
- Welche Möglichkeiten gibt es, gedruckte Materialien und Dokumente verbreiteter Textverarbeitungen für das WWW aufzubereiten? (Uwe Debacher, Hamburg)
- Wie kann man das Internet den Schulen im FIDO-basierten niedersächsischen Schulnetz erschließen? (Horst Eysel, Niedersachsen)
- Welche Möglichkeiten gibt es, ältere Datenbanken in das WWW einzubinden? (Horst Eysel, Niedersachsen)
- Welche Anforderungen an die Lehrer bringt die Vernetzung der Schulen mit sich? (Horst Eysel, Niedersachsen)
- Wie ist das Problem der hohen Telekommunikationsgebühren zu lösen, die bei regelmäßiger Nutzung des Internet durch Schulen anfallen? (Herr Mauhs, Sachsen-Anhalt)
- Wie kann, angesichts der Tatsache, daß für jegliche Nutzung von Produkten der Verlage für Webangebote der Schulen eine Abdruckgenehmigung erforderlich ist, die Einhaltung des Copyright gesichert werden? (Harald Melcher, Bildung-Online)
- Wie wird das Verfahren der Zulassung von Online-Lernmitteln aussehen? (Harald Melcher, Bildung-Online)
- Ist es möglich, die Anmeldung der Lehrer für Fortbildungsveranstaltungen über das WWW abzuwickeln? (Herr Brehm, Berlin)
- Welche Konzepte gibt es für die Entwicklung der Inhalte auf den Landesservern? (Wolfgang Weber, Nordrhein-Westfalen)
Gruppe 1: Gemeinsame Nutzung der DBS-Datenbank
- Auf dem ersten Workshop war seitens des DBS angeboten worden, daß Landesserver in einem eigenen landesspezifischen Layout auf die Datenbank des DBS zugreifen könnten. Herr Richter stellte anhand zweier Beispiele (Rheinland-Pfalz, Niedersachsen, Handout 2 und 3) die Realisierung vor. Seitens eines Landesservers sind lediglich zwei kleine "Include"-Dateien nach Berlin zu schicken, die Kopf- ("head.incl") und Fußzeilen ("foot.incl") des Formulars enthalten (Handout 4 und 5).
Damit können Landesserver auf alle Einträge zugreifen; die HTML-Seiten werden dynamisch erzeugt und sind damit auf dem jeweils aktuellen Stand. - Es gibt zwei unterschiedliche Datenbanken auf dem DBS: (a) eine kleine (derzeit ca. 1.200 Datensätze umfassende) Sammlung von didaktisch qualitativ anspruchsvollen und strukturell erschlossenen Materialien oder Projekten, (b) eine umfangreiche, durch das Suchprogramm HARVEST erzeugte Sammlung von Informationen über die auf den Landesservern und auf den Servern der Verlage angebotenen Dokumente unterschiedlicher Qualität.
- Herr Richter stellte ein Aufnahmeformular für WWW-Dokumente vor. Es erzeugt (a) die strukturelle Beschreibung eines WWW-Dokuments (Text, Bild, Audio-Datei usw.) für den Eintrag in die Ressourcen-Datenbank sowie (b) eine Datei nach der internationalen Normierung des Dublin Core. Diese Datei kann der Eingebende per cut and paste seinem HTML-Dokument zufügen. Dieses ist dann von allen Suchmaschinen auffindbar und liefert die Strukturinformationen (Meta-Informationen), die über die übliche ungezielte Volltextsuche hinaus das Recherchieren in bestimmten Feldern (z.B. Autor, Titel, Schlagwort, Medien-Kategorie, Schulart, Schulfach, Schulstufe...) möglich macht.
- Die Ressourcen-Datenbank soll qualitativ hochwertige Einträge enthalten; dafür ist eine Qualitätskontrolle nötig. Zum einen kontrollieren die Mitarbeiter des DBS die einzelnen Meldungen von Nutzern, zum anderen tragen kooperierende Landesserver für Ressourcen mit überregionaler oder exemplarischer Bedeutung die Meta-Tags DBS.MEDIUM und DBS.SUBJECT ein (s. Handout 8); auf eine Kontrolle seitens des DBS kann dann verzichtet werden.
- HARVEST kann recht spezifisch eingestellt werden: Datei(bäume) können zur Nutzung benannt oder gesperrt werden, die Recherchetiefe ist einstellbar usw. Entsprechende Einstellungen können von den Landesservern selbst vorgenommem werden, indem sie eine Datei robots.txt im HTML-Wurzelverzeichnis anlegen. Hinweise dazu unter http://info.webcrawler.com/mak/projects/robots/norobots.html
Gruppe 2: Harvest unter Solaris und Linux
Roberto Patriarca informierte über Installation, Konfiguration und Betrieb von Harvest unter Solaris und Linux.Kurze Vorstellung der Software-Komponenten von Harvest Version 1.4
Anhand des Artikels "Einige Gedanken zu einem Bildunsserver" von Andreas Rittershofer wurde die prinzipielle Funktionsweise eines Harvest-Systems nocheinmal vorgestellt und mögliche Problembereiche bei der Konfiguration kurz angeschnitten:- Gatherer: Informationssammler holt html-Seiten von den Servern der Bundesländer
Hinweis auf: Beschränkung der Anzahl der URLs, die bei jedem Lauf abgeholt wird; dieser Wert sollte nach und nach erhöht werden, da ein gewisser zeitlicher Abstand zwischen den Zugriffen erforderlich ist und daher eine komplette Indizierung eines Webservers sich über einen Zeitraum von mehreren Tagen erstrecken kann. - Essence: geeignete Zusammenfassung der Informationen, Wandlung von HTML nach SOIF
Schwierigkeiten MS-Word Dokumente zu indizieren, sowie zip-Dateien
Hinweis auf die wichtige Rolle, die Metadaten in diesem Zusammenhang spielen - Broker: Suchmaschine kann auf Daten von mehreren Gatherer zugreifen.
Optimal in Hinblick auf Netzbelastung und Aktualisierungszeit des Archivs wäre eine
verteilte Informationssuche, wenn auf den Landesservern das Harvest-System liefe, um
die Materalien des jeweiligen Bundeslands zu sammeln. Auf dem Deutschen Bildungsserver könnte dann
ein Broker zur Verfügung gestellt werden, der alle Materialien recherchierbar macht.
- Abfragemaske: mit Metatag-Suche; wird vom DBS für die Länder zur Verfügung gestellt
Kurze Vorstellung der Suchmaschine des DBS
Hinweis auf experimentellen Charakter der bisherigen Lösung und geplante weitere Vorgehensweise:- Konfiguration der Komponente Essence dahingehend, daß nur Metadaten
gesammelt werden (entweder vorhandene oder aus HTML-tags generierte)
- Möglichkeit erörtert, Harvest-Archiv aufzubauen um alte Datenbanken recherchierbar zu machen:
Konvertierung ALTE_DATENBANK => HTML+METATAGS => Harvest-Archiv mit Metadatensuche
Diskussion zu verteiltem Harvest-System
Verteilte Lösung ist zur Zeit nicht machbar, wg. Personalstruktur bei den Landesbildungsservern.-
Prinzipielle Einigung erzielt, eine Suchmaschine auf dem DBS zu benutzen.
-
Die Abfrage- und Ergebnisseiten sollten so gestaltet werden, daß sie im Layout
konfigurierbar sind und an das Layout des jeweiligen Landesservers angepasst werden können. (Vgl. auch die Beispiele aus den Bundesländern Rheinland-Pfalz,
Niedersachsen und
Hamburg
- Die Ergebnisseite sollte so gestaltet sein, daß die Materialien des Landes, von dem die Suchabfrage kommt, an oberster Stelle stehen.
Plenum: Didaktische Aspekte der Entwicklung von Landesservern
Herr Weber stellt die didaktische Konzeption seines Servers dar (vgl. Folie). Gegenüber der dokumentierenden Funktion des DBS hat der NRW-Server seinen Schwerpunkt in der Nutzung der kommunikativ-inhaltlichen Möglichkeiten eines Servers, und zwar zur gemeinsamen Arbeit von Lehrern und Schülern, insbesondere in thematischen "Arbeitsbereichen". Die IuK-Techniken bieten besondere Möglichkeiten der Realisierung moderner didaktischer Ansätze (Handlungsorientierung, Projektunterricht, Förderung von Schlüsselqualifikationen), die wir bisher nur erahnen, aber ausloten sollten.Angesichts der Fülle sinnvoller thematischer Bereiche, begrenzter personeller Ressourcen, der i.d.R. zu erwartenden überregionalen Bedeutsamkeit der entwickelten Ideen, Konzepte, Materialien und Realisierungen und zu erwartenden synergetischen Effekten ist eine inhaltliche Koordinierung dieser und analoger Initiativen auf Landesservern nötig. Eine solche Koordinierung wäre, falls die Länder dies wünschen, unter Federführung des FWU denkbar.
Freitag, 16. Mai
Gruppe 1: Rechtliche Fragen des Betriebs von WWW-Servern
Folgende Fragen wurden von den Teilnehmern - direkt oder indirekt durch eigene Stellungnahmen - aufgeworfen:- Welche Genehmigungen müssen vom Autor eines Dokuments eingeholt werden, bevor es im WWW veröffentlicht werden kann? (Jan Hartmann, Mecklenburg-Vorpommern)
- Ist eine Genehmigung auch für das Setzen eines Links auf ein Dokument erforderlich? (Wolfgang Weber, Nordrhein-Westfalen)
- Wie können Webdokumente vor Copyrightverletzungen geschützt werden? (Jan Hartmann, Mecklenburg-Vorpommern)
- Ist die Verwendung von e-mail schon eine - aus datenschutzrechtlicher Sicht unzulässige - Übermittlung personenbezogener Daten? (Wolfgang Weber, Nordrhein-Westfalen)
- Wie läßt sich der Mißbrauch von Mailinglisten, Foren und Newsgroups verhindern? Worin unterscheiden sich Moderation und Zensur? (Wolfgang Weber, Nordrhein-Westfalen)
- Läßt sich zumindest eine "unkomplizierte" gegenseitige Nutzung von Dokumenten auf Landesservern vereinbaren? (Herr Mauhs, Sachsen-Anhalt)
- Welche Institution könnte die Rolle eines "Service-Center Copyright" übernehmen? (Das DIPF in Frankfurt?)
- Es wird auf eine Reihe von Materialien zu diesem Thema aus dem Seminar "Recht und Computer" im letzten Semester verwiesen.
Gruppe 2: Webserver mit Apache, PHP und mSQL unter Solaris und Linux
Frerk Meyer informierte über die Konfiguration und Betrieb von Webservern mit Apache, PHP und mSQL unter Solaris und Linux.Die Kopplung von Web-Servern mit Datenbanken sorgt für einfachen und schnellen Zugriff auf die abgelegten Daten mittels Web-Browsern. Die gewählte Lösung des DBS und des SchulWeb kombiniert kostenlose, weitverbreitete Software unter Unix, wie sie selbst von Schulen auf Linux-PCs verwendet werden kann. Die Komponenten sind:
Web-Server: Apache (40% Marktanteil unter den Web-Servern)
Datenbank: Mini-SQL 1.0 (kleine, schnelle Datenbank mit Subset von
SQL-Befehlen)
Scriptsprache: PHP/FI (Interpretersprache zur Erzeugung von HTML aus der
Datenbank)
Alternativen sind unter Unix:
Web-Server: NCSA-Server, CERN-Server, Spinner
Datenbank: MSQL 2.0, Postgres95, mySQL, Adabas-D, YARD, weitere
SQL-Datenbanken
Scriptsprachen: W3-msql, Lite, Perl, Python, Shell, Tcl, C, etc...
Empfehlungen sind für Anfänger sind schwer zu geben, da die Alternativen in letzter Zeit unübersichtlich viele geworden sind. Deshalb: unsere Entwicklungsrichtung nachzumachen garantiert für wenig Abstimmungsprobleme und macht Erfahrungsaustausch möglich:
Zukünftig:
Apache 1.2, MSQL 2.0, PHP 2.0
Plenum: Bericht über die Metadata-Konferenz in Canberra
Frau Rusch-Feja berichtete über die Metadata-Konferenz im Frühjahr diesen Jahres in Canberra. Es zeichnet sich ab, daß der Dublin Core zum Standard für Metainformationen im WWW werden wird. Zwei RFCs sind in Vorbereitung, Meta Data search engines werden entwickelt. Einen Überblick über die Elemente des Dublin Core (Version 1.0) gibt die Seite http://www.mpib-berlin.mpg.de/DOK/metatagd.htmPlenum: Bericht über die Initiative der Fachgesellschaften zur elektronischen Information und Kommunikation.
Peter Diepold informierte kurz über die Initiative der wissenschaftlichen Fachgesellschaften zur elektronischen Information und Kommunikation. Er erläuterte einige der bei diesem Projekt zu lösenden Probleme, insbesondere bei der Veröffentlichung digitaler Dokumente (z.B. digitale Dissertationen) die Wahl eines geeigneten Datenformats und die Definition einer Dokumentenbeschreibungssprache, die den gestalterischen, formalen und dokumentarischen Ansprüchen der verschiedenen Fachrichtungen gerecht wird.Plenum: Diskussion zur Datenbank der SAN-Projekte
Herr Drabe vom SaN e.V. hatte um Lösungsansätze für eine effektive Verwaltung und Nutzung der vom SaN geförderten Schulprojekte gebeten.Zwei wesentliche Aufgaben sind bei der Präsentation der SAN-Projekte im WWW zu lösen:
- Verfügbarkeit und Recherchierbarkeit der in den Projekten entstandenen Produkte über eine einfach zu bedienende Datenbank (Jan Hartmann, Mecklenburg-Vorpommern)
- Strukturen für schulübergreifendes, kooperatives Weiterarbeiten an einzelnen Projekten (Jan Hartmann, Mecklenburg-Vorpommern)
Es wurde vermutet, daß die Lehrer eher motiviert sind, anspruchsvolle Projektberichte zu erstellen, wenn dies für die Öffentlichkeit und potentielle Nachnutzer geschieht und nicht allein für den Aktenschrank.
Für Aufgabe 2 wurde angeregt, das System BSCW (http://bscw.gmd.de/) der Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung zu nutzen. (Ralph Ballier, Berlin).
Insbesondere Langzeit- oder Dauerprojekte mit sozialer Thematik (z. B. Strukturwandel) sind förderungswürdig. (Hans Rassmes, Nordrhein-Westfalen)
Plenum: Zusammenfassung und abschließende Stellungnahmen
Peter Diepold bewertete die Diskussionen des Workshops als kooperativ, anregend und problemorientiert. Als wesentliche Aufgaben für die nächste Zeit nannte er die Weiterentwicklung der gemeinsamen Nutzung der DBS-Datenbank und der Nutzung von Meta-Tags sowie eine Initiative zur Schaffung eines gemeinsamen "Copyright-Centers" für Schul- und Bildungsserver und Absprachen über eine inhaltliche Arbeitsteilung zwischen den verschiedenen Bildungsservern (vgl. auch die Funktionsbestimmung in "DBS, SAN und Landesserver.Es wurde vereinbart, den 3. Workshop der Bildungsserver am 23. und 24. September 1997 an der Humboldt-Universität zu Berlin durchzuführen.
