"Bildungsportale - Wegweiser im Netz"

Expertenworkshop am LISUM in Ludwigsfelde, 28. - 30. Januar 2004
Veranstalter: Humboldt Universität zu Berlin, Abt. Pädagogik und Informatik
und Empirische Bildungsforschung und Methodenlehre


  • Vortrag Dr. E. Brenstein & D. Holtsch, HU Berlin:
    "Wegweiser im Netz - Empirische Untersuchungen zur Qualität und Nutzung von Bildungsportalen
  • Präsentationsfolien Brenstein/Holtsch


    Im Vortrag wurden zunächst wesentliche Qualitätsmerkmale von Bildungsmerkmalen aus Expertensicht benannt und die Frage gestellt, wie diese aus Nutzersicht erhoben werden können. Eine Vorstudie hatte erste nützliche Erkenntnisse geliefert, aber auch die Notwendigkeit aufgezeigt, die Ergebnisse anhand einer repräsentativen Stichprobe in verschiedenen Bildungsbereichen zu validieren. Daher wurde die im folgenden präsentierte Studie mit insgesamt ca. 9000 Befragten in den Bereichen Schule, Hochschule und Weiterbildung im Zeitraum von Januar 2003 bis März 2004 in fünf Bundesländern von der Abteilung für Pädagogik und Informatik und der Abteilung für Empirische Bildungsforschung und Methodenlehre der Humboldt Universität zu Berlin durchgeführt.

    Ziel der Untersuchung war es, die Zielgruppenmerkmale von Nutzern und Nicht-Nutzern zu erheben, zu erfassen welche Angebote von Bildungsportalen genutzt werden und zu untersuchen, wie diese bewertet werden. Um diese Fragen zu beantworten, wurden verschiedene methodische Ansätze wie eine Marktanalyse, Logfile Analysen, postalische und Online Befragungen und Usability Tests verwendet.

    Die allgemeinen Ergebnisse der Befragungen zeigten, dass Computer in allen drei Bildungsbereichen für eine Reihe von privaten und schulischen/beruflichen Zwecken intensiv genutzt werden. Obwohl der Prozentsatz der "Onliner" in den meisten Gruppen hoch war, wurden Internet-basierte Bildungsangebote etwas weniger häufig genutzt. Bildungsportale wurden im Vergleich zu anderen Online Angeboten nur von einem Teil der Befragten regelmäßig frequentiert. Dabei gab es deutliche Unterschiede zwischen einzelnen Portalen. Die Ergebnisse einer vergleichenden Logfileanalyse zur Nutzung des Deutschen Bildungsservers zeigten, dass die Themenbereiche "Schule" und "Übergreifende Informationen" sowohl von der Gesamtnutzschaft als auch von Nutzern aus Hochschule & Forschung besondern intensiv genutzt wurden. Die Bewertung der Angebote des Deutschen Bildungsservers und des Schulwebs, sowie ausgewählter anderer Portale fiel überwiegend positiv aus. Die Ergebnisse der Usabilitytests beim Deutschen Bildungsserver und beim Schulweb gaben konkrete Hinweise für eine Optimierung der Angebote. Abschließend wurde der Untersuchungsansatz in einer kurzen Methodenkritik reflektiert und Fragen für die weiterführende Diskussion der Ergebnisse in den Arbeitsgruppen formuliert.


    Zusammenfassung der Diskussionsbeiträge im Anschluss an die Präsentation der Evaluationsergebnisse
    Die Diskussions beschäftigte sich mit folgenden Fragen:

    1. Fragen zu den Zielgruppen und der Selektion der Stichproben, sowie der Repräsentativität der Ergebnisse


    2. Fragen nach der Rolle von regionalen und überregionalen Bildungsservern und dem Mehrwert von Bildungsportalen gegenüber Suchmaschinen


    3. Fragen hinsichtlich der Möglichkeiten, wie die Bekanntheit von Bildungsportalen erhöht werden kann und wie potentielle Nutzer erreicht werden können.


    Zu 1:

    Herr Retzlaff: Wurden nur 15jährige Schülerinnen und Schüler befragt oder waren auch jüngere Schüler einbezogen? An welchen Schularten wurde die Befragung durchgeführt.
    Frau Dr. Brenstein: Es wurden gezielt Schülerinnen und Schüler der 10. Klassen befragt. Die gesamte Bandbreite der Altersklassen wurde nicht erfasst.
    Frau Holtsch: Die Stichprobe wurde so gezogen, dass alle Schularten in den ausgewählten Bundesländern erfasst sind.
    Herr Botte: ...Wo ist durch die Antwortzahlen eine gewisse Repräsentativität gewährleistet, wo nicht? Woran liegt es, dass im Hochschulbereich eine geringere Repräsentativität erreicht wurde? Warum haben so viele den Fragebogen zur Weiterbildung und Erwachsenenbildung nicht beendet?
    Frau Dr. Brenstein: Solide Ergebnisse gibt es im Schulbereich - 4000 Fallzahlen. Bei der Bewertung von DBS und SchulWeb wurden 800 Leute gebeten, die Angebote zu bewerten. Zusätzlich konnte ein weiteres Portal, das häufig genutzt wird, bewertet werden. Diese Mühe haben sich nur 30 Personen gemacht. Das ist schwierig zu interpretieren, da es sich hierbei um eine sehr selektierte Stichprobe handelt. Die Hochschulstichprobe wurde zwar repräsentativ ausgewählt, da die Rücklaufquoten jedoch so gering waren, kann man keine repräsentativen Schlüsse aus den Ergebnissen ziehen. Die Online-Befragung zur Weiterbildung wurde über den IDW 15000 Nutzern bekannt gemacht und auf den beteiligten Portalen ca. 6 Wochen geschaltet. Trotzdem war die Rücklaufquote sehr gering - 330. Die hohen Abbruchzahlen sind darauf zurückzuführen, dass dieser Fragebogen für ein anderes Szenario gestaltet wurde.
    Herr Prof. Lehmann: Die Ergebnisse der Evaluation werden zurzeit noch intensiv ausgewertet, die Probleme sind den Mitarbeitern bewusst. Die geringen Rücklaufquoten im Hochschulbereich lassen repräsentative Schlüsse nicht zu. ...Im Schulbereich gibt es belastbare Ergebnisse, die Gewichtung ist auf dem Wege. Es werden Aussagen möglich sein über die Verhältnisse in jedem Lande, jedoch nicht über die Verhältnisse in der Bundesrepublik, denn mit dem gegebenen Budget konnte nur in fünf Bundesländern operiert werden.


    Zu 2:

    Herr Buba: ...Die Ergebnisse belegen teilweise, dass regionale Angebote stärker genutzt werden als der Deutsche Bildungsserver, da stellt sich die Frage, ob ein zentrales Portal sinnvoll ist.
    Frau Dr.Brenstein: Es gibt Argumente für beides, also für regionale Angebote und für den DBS als zentralen Anlaufpunkt. Das wurde durch Aussagen von Nutzern vielfach bestätigt.
    Herr Prof. Lehmann: Vorgelegt wurden allererste deskriptive Befunde, die genaue Analyse erfolgt noch. Zu beantworten ist z.B. die Frage, ob die Landesbildungsserver eine andere Bedürfnisstruktur befriedigen, als der Deutsche Bildungsserver. Gewichtungen der Untersuchungsergebnisse werden Teil des Schlussberichtes sein.
    Herr Buba:Wäre dann nicht die richtige Schlussfolgerung, zielguppenspezifische Angebote solchen breitgefächerten Angeboten vorzuziehen?
    Frau Dr. Brenstein: In diese Richtung wird die Entwicklung auch beim Deutschen Bildungsserver gehen. Eine Schärfung der zielgruppenspezifischen Zugänge wurde auch von vielen Befragten befürwortet.
    Herr Dr. Kos: Es ist ganz wichtig, zu betonen, dass bei aller Konkurenz, die zwangsläufig entsteht, es darum geht, Aufgaben auszudifferenzieren und dann gleichzeitig zu kooperieren. Das ist im Bereich der Systemadministration hervorragend gelungen, ebenso gibt es Erfolge im Bereich der redaktionellen Zusammenarbeit. Beide Angebote - die landsesspezifischen und das zentrale - haben ihre Berechtigung. Der Deutsche Bildungsserver hat eine doppelte Funktion: er bietet einen zentralen Anlaufpunkt in Deutschland selbst und auch im europäischen und internationalen Kontext, was im Hinblick auf die föderale Struktur des deutschen Bildungswesens sehr wichtig ist.

    Herr Dr. Meschenmoser: Ein Untersuchungsergebnis sagt aus, dass Lehrer häufiger den Landesbildungsserver nutzen als den Deutschen Bildungsserver und dass die Recherche bei Google überwiegt. Wie ist die Beziehung zwischen den Landesbildungsservern und dem DBS? Da beide wechselseitig aufeinander verweisen, müsste die Auswertung der Logfiles eine Aussage über die Nutzung des DBS durch die Landesbildungsserver ermöglichen.
    Frau Dr. Brenstein: Die Auswertung der Verweise (Referrer) ergab, dass viele Anfragen beim DBS von den Landesbildungsservern kommen, das wird im Untersuchungsbericht nachzulesen sein.
    Herr Dr. Meschenmoser: Es muss bekannter gemacht werden, dass der Deutsche Bildungsserver ein Angebot ist, dass für die Inhalte anderer wirbt.
    Herr Botte: Der Deutsche Bildungsserver ist ein Verweisserver, der auf zielgruppenspezifische Angebote verweist, das muss bei der Auswertung der Befragungsergebnisse berücksichtigt werden. Ein Nutzer, der über den DBS sein spezifisches Angebot gefunden hat, wird beim nächsten Mal gleich dort hingehen.
    Frau Dr. Brenstein: Aussagen von Nutzern bestätigen, dass der Mehrwert geschätzt wird, den systematisch aufbereitete Informationen gegenüber unsortierten Recherche-Ergebnissen bieten.


    Zu 3:

    Herr Altmann: Durch die Umfrage konnte die Bekanntheit des Deutschen Bildungsservers verbessert werden. Gleiches wurde auch in Sachsen bei einer Umfrage festgestellt. Konnten aus der Untersuchung Strategien entwickelt werden, wie der Bekanntheitsgrad von Bildungsportalen erhöht werden kann?
    Frau Dr. Brenstein: Da der Deutsche Bildungsserver ein öffentlich gefördertes Portal ist, sind die Möglichkeiten der Vermarktung begrenzt. Aus der Befragung ging hervor, dass viele Nutzer über Google zum DBS gekommen sind, bzw. durch Empfehlung von Kollegen und Bekannten, weniger durch Printmedien. Die Präsens von Bildungsportalen in den Medien ist nicht sehr groß, das müsste vielleicht geändert werden.
    Herr Botte: Ein öffentliches und mit öffentlichen Mitteln beworbenes Portal kann nie die Bekanntheit erlangen wie ein kommerzielles Angebot. Es ist zwar erstrebenswert, 90% der Zielpopulation erreichen zu wollen, aber die Möglichkeiten sind begrenzt. Die repräsentativen Ergebnisse der Untersuchung sollten genauer betrachtet werden, um dann eine Entwicklung verfolgen zu können. Wichtigstes Mittel der Bekanntmachung wird die Mund-zu-Mund-Propaganda bleiben, dagegen werden Zeitungsartikel und ähnliche Maßnahmen keine so großen Wirkungen haben.