Im Vortrag wurden zunächst wesentliche Qualitätsmerkmale von Bildungsmerkmalen aus Expertensicht benannt und die Frage gestellt, wie diese aus Nutzersicht erhoben werden können. Eine Vorstudie hatte erste nützliche Erkenntnisse geliefert, aber auch die Notwendigkeit aufgezeigt, die Ergebnisse anhand einer repräsentativen Stichprobe in verschiedenen Bildungsbereichen zu validieren. Daher wurde die im folgenden präsentierte Studie mit insgesamt ca. 9000 Befragten in den Bereichen Schule, Hochschule und Weiterbildung im Zeitraum von Januar 2003 bis März 2004 in fünf Bundesländern von der Abteilung für Pädagogik und Informatik und der Abteilung für Empirische Bildungsforschung und Methodenlehre der Humboldt Universität zu Berlin durchgeführt.
Ziel der Untersuchung war es, die Zielgruppenmerkmale von Nutzern und Nicht-Nutzern zu erheben, zu erfassen welche Angebote von Bildungsportalen genutzt werden und zu untersuchen, wie diese bewertet werden. Um diese Fragen zu beantworten, wurden verschiedene methodische Ansätze wie eine Marktanalyse, Logfile Analysen, postalische und Online Befragungen und Usability Tests verwendet.
Die allgemeinen Ergebnisse der Befragungen zeigten, dass Computer in allen drei Bildungsbereichen für eine Reihe von privaten und schulischen/beruflichen Zwecken intensiv genutzt werden. Obwohl der Prozentsatz der "Onliner" in den meisten Gruppen hoch war, wurden Internet-basierte Bildungsangebote etwas weniger häufig genutzt. Bildungsportale wurden im Vergleich zu anderen Online Angeboten nur von einem Teil der Befragten regelmäßig frequentiert. Dabei gab es deutliche Unterschiede zwischen einzelnen Portalen. Die Ergebnisse einer vergleichenden Logfileanalyse zur Nutzung des Deutschen Bildungsservers zeigten, dass die Themenbereiche "Schule" und "Übergreifende Informationen" sowohl von der Gesamtnutzschaft als auch von Nutzern aus Hochschule & Forschung besondern intensiv genutzt wurden. Die Bewertung der Angebote des Deutschen Bildungsservers und des Schulwebs, sowie ausgewählter anderer Portale fiel überwiegend positiv aus. Die Ergebnisse der Usabilitytests beim Deutschen Bildungsserver und beim Schulweb gaben konkrete Hinweise für eine Optimierung der Angebote. Abschließend wurde der Untersuchungsansatz in einer kurzen Methodenkritik reflektiert und Fragen für die weiterführende Diskussion der Ergebnisse in den Arbeitsgruppen formuliert.
Herr Buba: ...Die Ergebnisse belegen teilweise, dass
regionale Angebote stärker genutzt werden als der Deutsche Bildungsserver, da
stellt sich die Frage, ob ein zentrales Portal sinnvoll ist.
Frau Dr.Brenstein: Es gibt Argumente für beides, also für regionale Angebote und für
den DBS als zentralen Anlaufpunkt. Das wurde durch Aussagen von Nutzern vielfach
bestätigt.
Herr Prof. Lehmann: Vorgelegt wurden allererste
deskriptive Befunde, die genaue Analyse erfolgt noch. Zu beantworten ist z.B.
die Frage, ob die Landesbildungsserver eine andere Bedürfnisstruktur
befriedigen, als der Deutsche Bildungsserver. Gewichtungen der
Untersuchungsergebnisse werden Teil des Schlussberichtes sein.
Herr Buba:Wäre dann nicht die richtige Schlussfolgerung,
zielguppenspezifische Angebote solchen breitgefächerten Angeboten
vorzuziehen?
Frau Dr. Brenstein: In diese Richtung wird die
Entwicklung auch beim Deutschen Bildungsserver gehen. Eine Schärfung der
zielgruppenspezifischen Zugänge wurde auch von vielen Befragten
befürwortet.
Herr Dr. Kos: Es ist ganz wichtig, zu betonen, dass bei
aller Konkurenz, die zwangsläufig entsteht, es darum geht, Aufgaben
auszudifferenzieren und dann gleichzeitig zu kooperieren. Das ist im Bereich der
Systemadministration hervorragend gelungen, ebenso gibt es Erfolge im Bereich
der redaktionellen Zusammenarbeit. Beide Angebote - die landsesspezifischen und
das zentrale - haben ihre Berechtigung. Der Deutsche Bildungsserver hat eine
doppelte Funktion: er bietet einen zentralen Anlaufpunkt in Deutschland selbst
und auch im europäischen und internationalen Kontext, was im Hinblick auf die
föderale Struktur des deutschen Bildungswesens sehr wichtig ist.
Herr Dr. Meschenmoser: Ein Untersuchungsergebnis sagt aus, dass Lehrer
häufiger den Landesbildungsserver nutzen als den Deutschen Bildungsserver und
dass die Recherche bei Google überwiegt. Wie ist die Beziehung zwischen den
Landesbildungsservern und dem DBS? Da beide wechselseitig aufeinander verweisen,
müsste die Auswertung der Logfiles eine Aussage über die Nutzung des DBS durch
die Landesbildungsserver ermöglichen.
Frau Dr. Brenstein: Die
Auswertung der Verweise (Referrer) ergab, dass viele Anfragen beim DBS von den
Landesbildungsservern kommen, das wird im Untersuchungsbericht nachzulesen
sein.
Herr Dr. Meschenmoser: Es muss bekannter gemacht werden, dass
der Deutsche Bildungsserver ein Angebot ist, dass für die Inhalte anderer
wirbt.
Herr Botte: Der Deutsche Bildungsserver ist ein
Verweisserver, der auf zielgruppenspezifische Angebote verweist, das muss bei
der Auswertung der Befragungsergebnisse berücksichtigt werden. Ein Nutzer, der
über den DBS sein spezifisches Angebot gefunden hat, wird beim nächsten Mal
gleich dort hingehen.
Frau Dr. Brenstein: Aussagen von Nutzern bestätigen, dass der
Mehrwert geschätzt wird, den systematisch aufbereitete Informationen gegenüber
unsortierten Recherche-Ergebnissen bieten.
Zu 3:
Herr Altmann: Durch die Umfrage konnte die Bekanntheit des Deutschen
Bildungsservers verbessert werden. Gleiches wurde auch in Sachsen bei einer
Umfrage festgestellt. Konnten aus der Untersuchung Strategien entwickelt werden,
wie der Bekanntheitsgrad von Bildungsportalen erhöht werden kann?
Frau Dr. Brenstein: Da der Deutsche Bildungsserver ein öffentlich gefördertes Portal
ist, sind die Möglichkeiten der Vermarktung begrenzt. Aus der Befragung ging
hervor, dass viele Nutzer über Google zum DBS gekommen sind, bzw. durch
Empfehlung von Kollegen und Bekannten, weniger durch Printmedien. Die Präsens
von Bildungsportalen in den Medien ist nicht sehr groß, das müsste vielleicht
geändert werden.
Herr Botte: Ein öffentliches und mit öffentlichen
Mitteln beworbenes Portal kann nie die Bekanntheit erlangen wie ein
kommerzielles Angebot. Es ist zwar erstrebenswert, 90% der Zielpopulation
erreichen zu wollen, aber die Möglichkeiten sind begrenzt. Die repräsentativen
Ergebnisse der Untersuchung sollten genauer betrachtet werden, um dann eine
Entwicklung verfolgen zu können. Wichtigstes Mittel der Bekanntmachung wird die
Mund-zu-Mund-Propaganda bleiben, dagegen werden Zeitungsartikel und ähnliche
Maßnahmen keine so großen Wirkungen haben.